Gestalttherapeutische Arbeit
Die Gestalttherapie ist die Grundlage meiner Arbeit. Der deutsche Arzt und Psychoanalytiker Fritz Perls hat diese Therapieform entwickelt in den 1950er- und weiterentwickelt in den späten 60er-Jahren.
Dabei geht es nicht um “Malen nach Zahlen”; Gestalttherapie ist etwas gänzlich anderes als Gestaltungs- oder Kunsttherapie. Der verwchslungsträchtige Namen rührt von der damals modernen Gestaltpsychologie her. Sie begreift den Menschen und seine Psyche als etwas Ganzes, das mehr ist als die Summe der Einzelzeile. Auch unsere Wahrnehmung ist ganzheitlich strukturiert: Drei Punkte beispielsweise werden in der Regel zunächst als Dreieck gesehen, erst dann als drei einzelne Punkte.
Um was geht es in der Gestalttherapie?
Im Fokus liegen vor allem die Bedürfnisse des Klienten und die Förderung seiner Bewusstheit. Wobei Bewusstheit die Fähigkeit ist, sich über sich selbst klar zu sein; zu wissen, welche Bedürfnisse, Wünsche und Emotionen gerade in einem “köcheln”. Diese “Bewusstheit per se kann heilsam sein”, hat Perls gesagt.
Nun kommt zum zweiten Mal der Begriff “Bedürfnis” vor. Klar, er ist zentraler Bestandteil der Arbeit. “Ich will”, “ich brauche” sind von Kindesbeinen an wichtige Ausdrücke, mit denen wir auf die Welt zugehen. Durch Erziehung oder Sozialisation haben viele verlernt, diese Bedürfnisse nachzufragen, ja sie sogar zu spüren. In der Arbeit wird der Klient Stück für Stück seinen Bedürfnissen wieder bewusst.
Ein weiterer zentraler Moment der Gestalttherapie ist der radikale Bezug auf das Hier und Jetzt. Perls hatte während einer Weltreise etliche Zeit in einem japanischen Zenkloster verbracht, von dem er diese buddhistische Komponente womöglich mitgebracht hat. Egal, alles, was geschieht, geschieht nur im Hier und Jetzt. Gestern ist Vergangenheit, morgen hat noch nicht begonnen. Der einzige Gestaltungsspielraum ist die Gegenwart. Allerdings können sehr wohl alte Erfahrungen, Kränkungen, Groll, also “olle Kamellen”, bis in die Gegenwart hineinreichen und uns in unserer Lebendigkeit beeinträchtigen. Doch diese Dinge sind nicht in der Vergangenheit, also nachträglich zu bearbeiten, sondern im Jetzt, wenn sie auftauchen. “Nehme das Offensichtliche” hat Perls immer wieder gesagt. Nicht wie ein Archäologe in vergangenen Seelenschichten graben, sondern mit dem arbeiten, was gerade da ist.
Diese Forderung nach dem Offensichtlichen hat noch eine zweite Komponente: Verstick dich nicht in Fantasien, in Denken oder in Interpretationen, sondern schau, was wirklich da ist. Was siehst du, was erlebst du, was hörst und riechst du?
Und wie sieht eine Gestalt-Sitzung jetzt aus?
Sie kann so oder auch ganz anders aussehen. Es gibt kein festes Setting. Ich stehe während der Sitzung gern mal auf und bewege mich. Manche Klienten mögen das und probieren solche Bewegungen aus; schauen, wie sich ihr Erleben dadurch verändert, in welche Prozesse sie dabei kommen. Denn genau darum geht es: In den Prozess, in den Fluss des Lebens zu gehen. Und das kann auf vielfältige Art und Weise passieren, vor allem aber beim Tun: “In der Gestalttherapie”, schreibt der Würzburger Gestalttherapeut Frank Staemmler, wird “nicht nur geredet, sondern auch ausprobiert und experimentiert – mit Verhaltensweisen, körperlichen Haltungen, Gedanken und Gefühlen, und zwar sowohl mit den altbekannten wie mit möglichen neuen”.
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