Über das intelligente Aufschieben

41JBfJ-4G7L in Über das intelligente AufschiebenGehören Sie auch zu jenen, die unliebsame Arbeiten auf die lange Bank schieben? Die, statt sich mit ihrer Steuererklärung beschäftigen, lieber alle Fenster putzen? Und die damit manche Sachen wirklich erst auf den letzten Drücker erledigt bekommen? Dann sind Sie nicht allein.

Viele leiden unter dieser Charaktereigenschaft, die sich Prokrastination nennt – zu deutsch: Aufschieberitis. In meinen Seminaren klagen viele darüber und wollen Tricks mitbekommen, wie sie mit dieser mangelnden Disziplin am besten umgehen können. Es gibt zwar ein paar solcher Tricks, aber letztlich denke ich hilft’s nix: Wer ein Aufschieber ist, der bleibt es auch.

Dennoch gibt es auch eine gute Nachricht: Ich plädiere dafür, das Aufschieben ernst zu nehmen und, statt sich darüber aufzuregen, sich lieber planvoll der Prokratination hinzugeben. Ja, ich plädiere für intelligentes Aufschieben.

Denn die Wohnung wird nie mehr so sauber sein wie während der Zeit der Examensarbeit. Nie ist der Schreibtisch und die Ablage so tipptop als in der Zeit der Steuererklärung. Mit anderen Worten: Beim intelligenten Aufschieben geht es darum, zwar bestimmte, unliebsame Arbeiten auf die lange Bank zu schieben, in dieser Zeit aber dennoch zu arbeiten. Ein smarter Prokrastinateur liegt nicht faul vor dem Fernseher, sondern er tut schon was. Er arbeitet seine To-do-Liste, aber mit vielleicht anderen Dingen, als denen, die er sich vorgenommen hat.

Jetzt ist mir ein kleines Büchlein in die Hände gefallen, das genau davon handelt: Der Philosophie-Professor John Perry beschreibt in seinem „Einfach liegen lassen. Das kleine Buch vom effektiven Arbeiten durch gezieltes Nichtstun“ genau diese Strategie, die er „Aufschieben nach Plan“ nennt. Er schreibt:

Seit Monaten will ich diesen Essay schreiben. Warum mache ich mich jetzt tatsächlich daran? Weil ich mir endlich die Zeit dafür freischaufeln konnte? Irrtum. Ich muss Seminararbeiten korrigieren, Lehrbuchbestellungen ausfüllen, einen Forschungsantrag begutachten und Dissertationsentwürfe lesen. Die Arbeit an diesem Essay ist für mich Mittel zum Zweck, mich all diesen anderen Arbeiten zu entziehen.

Schöner kann man finde ich prokrastinieren nicht beschreiben. Denn natürlich wird Perry diesen ganzen Arbeiten auch erledigen. Aber eben nicht sofort und vielleicht auf den letzten Drücker. Aber ganz bestimmt wird er sie erledigen. Spätestens dann, wenn er etwa tun muss, das ihm noch unangenehmer sein wird.

John Perry: Einfach liegen lassen. Jetzt bestellen!

 

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