Eine Frage an Vera F. Birkenbihl: Wie unterstütze ich mein Kind in der der Schule?

Hin und wieder spreche ich mit der bekannten Management-Trainerin und Sachbuchautorin Vera F. Birkenbihl. Über lebenslanges Lernen, über Methoden und Strategien des Wissenserwerbs, über Gott und die Welt. Unregelmäßig veröffentliche ich hier eine Frage und eine Antwort.

Wenn sich Eltern Zeit nehmen, um ihren Kindern im Schulalltag zu helfen: Was könnten sie tun?

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Vera F. Birkenbihl. Foto: privat

Vera F. Birkenbihl: Auf keinen Fall mehr Diktate mit ihnen machen oder Übungen wie in der Schule. Sondern ihnen helfen, ihr Gehirn zu aktivieren, damit sie unter anderem auch die Schule besser schaffen. Sehr bewährt haben sich dafür Rätselspiele, weil das fragende Denken den Geist öffnet, wie die Harvard-Professorin Ellen J. Langer herausgearbeitet hat. Ebenso hilfreich sind Wortspiele aller Art. So habe ich beispielsweise eine Variante des bekannten Definitionsspiels entwickelt: demokratische Definition.

Der Spielleiter, diese Position kann bei größeren Kindern auch wechseln, bereitet das Spiel vor, indem er einige zu spielende Begriffe aus einem Lexikon heraussucht. Beispielsweise das Wort »iatrogen«. Beim Spielen wird jeweils ein Begriff in die Runde geworfen und jeder schreibt eine mögliche Definition auf. Da darf auch Quatsch dabei sein. Diese Definitionen werden in der Tischmitte gesammelt und der Reihe nach vorgelesen. Danach votiert die Gruppe für die Definition, die ihr am besten gefällt. Es muss nicht die korrekte Definition sein!

Am Beispiel: Das »ia« im Wort »iatrogen« könnte für Eselsgeschrei stehen; »trog«: Na ja, der Esel steht am Trog und will fressen und »en« ist eben irgendeine Endung. Es könnte bei dem Wort also um einen Esel gehen, der am Trog steht und laut schreit, weil er etwas zu fressen haben will.

Später erklärt der Spielleiter die wahre Bedeutung: »iatrogen« wird von iatros – griechisch: der Arzt – abgeleitet. Dabei geht es um Gesundheitsprobleme, die durch die ärztliche Heilkunst ausgelöst worden sind. In Deutschland sterben mindestens zwischen 15.000 und 50.000 Patienten jährlich, weil beispielsweise falsche Medikamente verschrieben werden oder weil Medikamente sich mit anderen nicht vertragen oder weil Menschen sich infizieren.

Sinn des Spiels: Den Quatsch mit dem Esel merke ich mir. Wenn ich gedanklich den Esel in die Nähe der Ärzte und Krankenschwestern stelle, werde ich für alle Zeiten wissen, dass iatrogen etwas mit Arzt und Heilung zu tun hat.

birkenbihl-internet-akademie.tv

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